BALI - die Insel der Götter und Dämonen

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Wolfgang Moning
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Bali, Kecak-Tanz in Batu-Bulan

Der Kecak-Tanz

Rüdiger Siebert beschreibt in seinem Buch "Deutsche Spuren in Indonesien" (siehe Literatur) auf Seite 189 einen Kecak-Tanz in Pelitian:
"Männer mit nacktem Oberkörper, um die Hüften schwarz-weiß karierte Sarongs geschlungen, hinter das rechte Ohr eine rote, hinter das linke Ohr eine weiße Hibiskusblüte gesteckt, schwärmen aus dem geheimnisvollen Dunkel tropischer Nacht in einen von Fackeln beleuchteten Kreis. Fünfzig, achtzig, schließlich mehr als hundert Männer, die sich da niederlassen, die Hände orgiastisch erhoben, die Finger krallenartig ausgestreckt, vereint zu einem Leib, der sich mal nach der einen, mal nach der anderen Seite im Rund beugt. Dabei stoßen sie ein Gebrüll aus, das an tierische Laute erinnert, an wilde Tiere im Dämmerlicht des Dschungels. Ein anschwellendes Ketschak-tschaké-tschake´-tschak-tschak entfährt den hundert Kehlen. Das Stakkato überschlägt sich in rasender Wiederholung und mündet in einen Klagegesang; und erneut finden die Stimmen zum tobenden Ketschak-tschaké-tschaké-tschak-tschak zusammen. Das geht jedem unter die Haut, rührt Ängste und Ahnungen an, die der Verstand nur unzureichend zu beruhigen vermag."

Im Gegensatz zur allgemeinen Vorstellung ist der Kecak-Tanz nicht besonders alt, sondern er wurde wahrscheinlich in den dreißiger Jahren zum ersten Mal aufgeführt. Allerdings hat der Chor seinen Ursprung in einem sehr alten Ritus, dem Sanghyang (Trance)-Tanz, der noch heute von Zeit zu Zeit in den Dörfern aufgeführt wird. Im Sanghyang nimmt eine Person im Trance-Zustand Verbindung zu den Göttern oder Vorfahren auf, um dem Volk deren Wünsche mitzuteilen. Einer der Begleitchöre besteht nur aus Männern, deren Singen eine hypnotische Wirkung hat - 'Kecak-Kecak-chak..'. Der Kecak-Tanz wird immer zum Einbruch der Dunkelheit aufgeführt und dauert eine knappe Stunde.

Die Handlung findet im inneren Kreis eines Männerchores statt. Das Libretto kommt aus dem indischen Hindu-Epos, dem Ramayana. Und dies ist die Geschichte:

Der göttliche Prinz Rama, Erbe des Thrones von Ayodya, lebt ausgestoßen im Wald mit seiner Frau Sita und seinem jungen Bruder Laksamana. Der Riese Rawana - König der Dämonen und eine Ausgeburt des Bösen - möchte die wunderschöne Sita besitzen und ersinnt einen Plan, sie zu entführen. Sein Premierminister Meritja nimmt die Gestalt eines goldenen Hirsches an und lockt so Rama und Laksamana von Sita weg, die entführt und zu Rawanas Königreich gebracht wird. Als Rama den Betrug bemerkt, macht er sich auf, Sita aus den Fängen des Dämonenkönigs zu befreien. Eine riesige Armee von Affen steht ihm dabei in den vielen Kämpfen zur Seite, die dem Tod Rawanas und der Rettung von Sita vorausgehen.

1. Akt   Sita hat ihren Ehemann Rama ausgesandt, um den goldenen Hirsch zu fangen. Sie weiß aber nicht, dass Rawanas Premierminister sich in einen goldenen Hirsch verwandelt hat, um sie zu überlisten. Bald hört man einen Hilfeschrei, und Sita, die glaubt, ihr Mann Rama sei in Not, schickt Laksamana los, dass er nach Rama sehe. Überzeugt, dass der göttliche Rama nicht wirklich zu Schaden kommen kann, weigert sich Laksamana zunächst, Sitas Bitte zu entsprechen. Als Sita ihm jedoch vorwirft, er wünsche doch nur den Tod seines Bruders, um sie heiraten zu können, ist er zornentflammt und macht sich dann doch auf, Rama zu suchen. Sita bleibt allein und unbewacht zurück.

2. Akt   Rawana entführt die entsetzte Sita und bringt sie zu seinem Königreich.

3.Akt   Sita sitzt in Rawanas Palast in Gesellschaft von dessen Nichte. Sie ist einsam und unglücklich. Plötzlich erscheint der Affengeneral, Hanuman. Er ist heimlich in den Palast eingedrungen und bringt Sita einen Ring von Rama als Erkennungszeichen dafür, dass er ein Freund ist, der ihr helfen möchte. Sita gibt Hanuman daraufhin ein Beweisstück für Rama mit der Botschaft, dass sie lebt und wohlauf ist, seiner Hilfe jedoch sehr bedarf.

4. Akt   Auf dem Schlachtfeld wird Rama von Rawanas Sohn Meganada angegegriffen; sein Pfeil verwandelt sich in eine Schlange, die Rama wie ein Seil umschlingt. Im Tanz wird diese Szene versinnbildlicht durch den inneren Kreis des Männerchores, der sich vom Rest des Chores löst und Rama dicht umringt. In seiner Verzweifelung ruft Rama seinen Verbündeten, den Garudavogel der augenblicklich erscheint und ihn von der Schlange des Todes befreit.

5. Akt   Sugriwa, der König der Affen, bietet sich an, seine Armee gegen Meganada zu führen. Er fordert Meganada auf, den Schutz der Wolken zu verlassen und mit ihm zu kämpfen. Der Chor teilt sich in zwei Teile. Eine Hälfte stellt die Affenarmee dar und macht Affengeräusche, während die andere Hälfte zur Dämonenarmee wird - mit lautem chak-chak-chak. Die Affen gewinnen die Schlacht. Es gelingt Rama, Rawana zu töten, und er kann endlich glücklich mit seiner Frau in sein Königreich zurückkehren.

 

Bali, Kecak-Dance

Bali, Kecak-Tänzer

Bali, Kecak-Tanz in Batu-Bulan

Bali, Kecak-Tanz in Batu-Bulan

Bali, Kecak-Tanz

Bali, Kecak-Tanz

Bali, Kecak-Tanz in Batu-Bulan


Medien der Götter

Die Trancetänze und -dramen sind religiösen Ritualen gleichzusetzen und können Opferzeremonie, Gebet oder Austreibungszeremonie sein. Sie werden unter der Leitung des Pemangku - des einfachen Tempelpriesters - veranstaltet und in oder bei einem Tempel abgehalten. Der Sanghyang beginnt stets im Tempel, wo die Tänzer in Trance versetzt werden. Dann formiert sich eine Prozession, die die Medien zum nahen Tanzplatz bringt. ...

In Bona wird meistens der Sanghyang Dedari, der Tanz der 'verehrungswürdigen Engel' aufgeführt. Im Tempel knien zwei Mädchen (noch vor dem Pubertätsalter) vor einer Schale mit stark duftendem Räucherwerk. Der Pemangku bringt den Göttern des Tempels ein Opfer dar und bittet um besonderen Schutz für das Dorf während der Trancezeremonie.

Hinter den Mädchen sitzen Frauen, die die Sanghyang-Melodie singen, in der die himmlischen Nymphen aufgefordert werden, herabzusteigen, um in der Gestalt der beiden Mädchen vor ihnen zu tanzen:
'Duftend ist der Schale Rauch - himmelwärts als Bote du,
steig, o steig nach altem Brauch den drei erhab'nen Göttern zu.
Wir sind rein und voll Verlangen, eure Engel, schön und hold,
die göttlichen Nymphen zu empfangen, in ihren feinen Gewändern aus Gold.'

Mit geschlossenen Lidern wiegen sich die Mädchen zur Melodie vor und zurück, bis sie inmitten weißer Weihrauchschwaden in Trance niedersinken. Die Frauen setzen ihnen Blumenkronen auf und heben sie auf die Schultern zweier junger Männer, die sie zum Tanzplatz bringen. Sobald diese die zierlichen Gestalten zwischen dem männlichen und weiblichen Chor abgesetzt haben, bewegen sich diese mit geschlossenen Augen und dennoch völlig übereinstimmend, fast schwerelos, in einem geträumten Legong-Tanz. Wenn der Gesang abbricht, stürzen die Mädchen wie tot zu Boden. Durch Besprengen mit Weihwasser und durch Gebete ruft der Priester sie in die Wirklichkeit zurück.

Bali, Feuertanz in Batu-BulanIm Sanghyang Jaran wird ein Junge, junger Mann oder Priester in Trance gebracht. Er reitet auf einem Strohpferd tanzend mehrmals um ein Feuer aus Kokosnussschalen. Schließlich galoppiert er mitten durchs Feuer, ohne sich zu verbrennen.

Alle Sanghyang-Tänze dienen dem Zweck, das Dorf dem Schutz der Götter anzuvertrauen und böse Geister auszutreiben, die in Form von Krankheit und Tod ins Dorf gekommen sein könnten. Aus den Leistungen, die die ausgewählten Jungen und Mädchen im Tanz vollbringen, spricht das göttliche Wesen, das ihnen - nach ihrem Glauben - während der Trance innewohnt. Sanghyang Dedari-Tänzerinnen haben keine Tanzschule besucht. In normaler Verfassung können sie sich weder erinnern noch wiederholen, was sie im Zustand der Trance getan haben. Schon gar nicht kann ein Sanghyang Djaran-Tänzer im Normalzustand über glühende Kohlen laufen.

So verwirrend für den Besucher der Insel die Begegnung mit dem Phänomen Trance auch sein mag, so sehr ist sie den Balinesen als ein Zustand des Überbewußtseins vertraut. Durch Trance kann Verbindung mit der Welt des Göttlichen aufgenommen werden. Obgleich früher mehr Arten des Sanghyang gepflegt wurden als heute, ist der Trance-Tanz weiterhin von großer Bedeutung.

(Der Artikel 'Medien der Götter' ist dem ausgezeichneten Reiseführer von Hans Höfer: APA GUIDES, 'Bali' entnommen.)
 

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